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Herausforderung

Die Herausforderung ist ein pädagogischer Baustein, den wir von der ESBZ in Berlin übernommen haben und welcher gut zu unserem Konzept passt. In der siebten Jahrgangsstufe bereiten die Schüler und Schülerinnen ihre Herausforderung vor, welche die drei ersten Schulwochen in Klasse acht einnehmen werden. Herausforderung bedeutet in diesem Fall, dass die Schüler_innen in Kleingruppen oder alleine, in Begleitung eines neutralen Erwachsenen (also keiner Lehrperson, sondern beispielsweise eines Studierenden) ein sich vorher selbst gestecktes Ziel erreichen. Dieses Ziel kann zum Beispiel eine Fahrradreise nach Schweden sein oder die Unterstützung beim Aufbau eines Bio-Hofes oder eine Pilgerwanderung auf dem Jakobsweg. Bei der Durchführung der Herausforderung wird oft auch deutlich, dass eine große Herausforderung der Umgang mit Anderen in der Gruppe ist. So gerät manchmal das Reagieren auf unvorhergesehene organisatorische Schwierigkeiten in den Hintergrund von persönlichen Konflikten und Ärger. Hier einen Weg zu finden und nicht aufzugeben ist ein Weg, der Schüler und Schülerinnen oft bestärkt von dieser Zeit zurück kommen lässt. Im Anschluss an diese drei Wochen gibt es eine Präsentation zur jeweiligen Herausforderung vor Schulgemeinschaft, Eltern und Interessierten. Falls diese Herausforderung Schüler_innen oder Eltern im Einzelfall nicht passend erscheint, gibt es auch die Möglichkeit, während der Zeit den Unterricht einer anderen Klasse zu besuchen.


Als Erfahrungsbericht und Erörterung im Fach Deutsch hier zwei Texte von Schülerinnen der achten Klasse aus dem Schuljahr 2017/18

Erörterung zum Thema „Herausforderung“

Elisa J. Liebscher
(Projekt „Pilgern von Mainz nach Strasbourg“)

Zu der Frage, ob andere Schulen das Projekt „Herausforderung“
anbieten sollten, gibt es verschiedene Meinungen.
Aber was ist das eigentlich, Herausforderung?
Bei dem Projekt werden Schüler der 8. Klasse auf ihre eigenen Beine
gestellt.
In der 7. Klasse planen sie, was sie in 2-3 Wochen als Herausforderung
machen möchten.
Dabei haben sie 150 Euro zur Verfügung, müssen sich außerdem
außerhalb von Leipzig aufhalten und eine Begleitperson über 18 Jahren
mitnehmen.
Es gibt viele Möglichkeiten, was man in dieser Zeit machen kann, aber
das Ganze hat auch Nachteile. Denn meiner Meinung spricht als
wichtigstes Argument gegen die Herausforderung, dass viel Schulzeit
verpasst wird.
Der Unterricht muss nachgeholt werden, was ich jetzt in einigen
fächern merke, da der Unterrichtsstoff zügiger abgearbeitet werden
muss und man teils mehr Hausaufgaben hat.
Auch bedacht werden muss,dass vielleicht nicht alle Eltern die
finanziellen Kosten aufbringen können.
Wenn eine Person deshalb nicht an der Herausforderung teilnehmen
kann, könnte sich diese schnell ausgeschlossen und benachteiligt
fühlen.
Gegen die Herausforderung spricht außerdem die lange Planung.
In der 7. Klasse müssen dafür Unterrichtsstunden dazukommen, die im
Stundenplan Platz brauchen.
Die Projekte müssen in der Zeit gut geplant werden, was für manche
Schüler sehr schwer sein kann.
Die Planung in meiner Gruppe in meiner Gruppe war zum Beispiel zwar
ausreichend, hätten wir aber besser machen können.
Dies ist uns aufgefallen, als es um die Kilometeranzahl ging. Wir haben
am 2. Tag gemerkt, dass wir zu viel laufen müssen, das hätte besser
geplant sein müssen.
Man kann es aber auch anders sehen.
Wenn etwas nicht gut geplant ist, muss man Lösungen finden und
Konflikten aus dem Weg gehen oder sie lösen.
Dabei komm ich zu den positiven Aspekten der Herausforderung.
Bei uns gab es beispielsweise das Problem, dass wir kein richtiges
Mittag hatten. Wir haben uns zusammengesetzt und überlegt, wie wir
das Problem lösen können. Wir haben dann entschieden, etwas mehr
Essen für zwischendurch zu kaufen, was sich als sinnvoll erwies.
Was ich sehr wichtig an dem Projekt finde, ist, dass die
Selbstständigkeit gefördert wird.
Ich selbst habe es auf Herausforderung gemerkt, wenn es um Aufgaben
ging.
Anfangs musste man Aufgaben wie Abwasch noch aufteilen,
irgendwann war klar, was wann zu machen ist und jedem waren seine
Pflichten bewusst.
Auch jetzt danach merke ich es.
Planungen von Treffen, Organisationen und Schulaufgaben werden
selbst verantwortet und geplant.
Das meiner Meinung nach wichtigste Argument ist allerdings, dass die
Schüler in der Zeit sehr viel lernen.
Mir viel es zum Beispiel auf, wenn es darum ging, auf Menschen zu
zugehen.
Anfangs musste man sich noch überwinden, aber für mich wurde es
mit der Zeit immer leichter und es war schön, mit anderen in den
Austausch zu kommen oder Fremde nach Hilfe zu fragen.
Viel gelernt habe ich auch beim Kochen mit dem Gaskocher, bei dem
Umgang mit Geld, denn so viel hatte man ja nicht zur Verfügung.
Begonnen mit der Planung habe ich immer mehr Erfahrungen
gesammelt!
Zusammenfassend finde ich, dass das Projekt Herausforderung zwar
einige Unterrichtsstunden raubt, die alle nachgeholt werden müssen,
andererseits aber der Lerneffekt meiner Meinung nach enorm ist und
dann hier Dinge lernt, die man Im Unterricht nie lernen würde.
Die Herausforderung sollte also, wie ich finde an anderen Schulen
angeboten werden, natürlich muss individuell geschaut werden, ob das
Projekt geeignet und gewünscht ist, aber ich finde es total schön, dass
es das Projekt an unserer Schule gibt!


Erörterung zum Thema „Herausforderung“

Ronja-Maria Poppitz, Klasse 8

Das Projekt Herausforderung umfasst eine dreichwöchige Aufgabe, die
man sich komplett selbst erarbeitet und bei der man von einer
außenstehenden Person begleitet wird. Herausforderungen könne zum
Beispiel sein, mit dem Fahrrad zu fahren, zu wandern, oder auch einen
Zirkus zu besuchen.
Diese Entscheidung zur Herausforderung steht jedem frei.
Am schwierigstem stellt sich der Ausfall des Unterrichtes dar, den man
später nachholen muss. Das bedeutet nun in kürzerer Zeit den
Lernstoff zu bewältigen. Problematisch ist ebenso die sehr große
Verantwortung für die gesamte Planung, die sich manchmal
komplizierter als erwartet herausstellt. Manche Familien haben
weniger finanzielle Mittel, denn es bleibt nicht nur bei den 150 Euro.
Hinzu kommt Geld für die gesamte Ausrüstung. Das Projekt
Herausforderung kann mißlingen, wenn das Geld knapp wird, Probleme
in der Gruppe auftreten und dadurch die Motivation sinkt. Natürlich
fehlt einem auch die Familie und man vermisst das zu Hause.
Und trotzdem sprechen viele Erfahrungen und Erlebnisse für die
Herausforderung!
Wichtig ist, mit fremden Menschen Kontakt aufzunehmen und zu
kommunizieren, was gewisse Überwindung bedeutet.
So mussten wir mit fremden Menschen telefonieren oder sie direkt auf
dem Weg ansprechen.
Ein Jahr immer an der Planung zu arbeiten und dran zu bleiben,
erforderte gegenseitige Motivation, hat uns aber gezeigt das es sehr
wichtig ist.
Während der Herausforderung bemerkten wir, dass für uns normale
Dinge wie Waschmaschine, Geschirrspüler oder Bett der pure Luxus
wurden, wir sie schon vermissten und ganz anders schätzen.
Jeder musste täglich Verantwortung für sich selbst und die Gruppe
übernehmen. Die tägliche Essensplanung, die Wegplanung und anderes
hieß es zu bedenken. Hierzu zählt auch der Umgang mit Geld.
Eine große Herausforderung bedeutete das tägliche Miteinander ohne
Pausen. Wir mussten Lösungen finden, Konflikte bewältigen,
beispielsweise in Ruhe sprechen und fair sein.
Das Wandern ohne Pausen, Tag ein Tag aus brachte uns an unsere
Grenzen. Ich lief nach 22 Kilometern nur noch wie ein Roboter und
trotzdem war ich erstaunt, was man schaffen kann.
Die Erfahrungen, die man sammeln konnte, waren oft Wahnsinn! Wir
lernten Menschen kennen, die uns aufnahmen und unglaublich lieb
waren.
Wir hatten das Gefühl, etwas Großes geschafft zu haben und alleine
Dinge zu bewältigen, denn wir hatten das Zeil erreicht!
Deshalb würde ich sagen, die Herausforderung ist sinnvoll, aber ein
nicht zu unterschätzendes, großes Projekt, welches mir meine Grenzen
und meine
Kraft gezeigt hat. Ich bin froh, mich dem gestellt zu haben.